Warum WARROOM?

Eine Schlüsselstellung beim (Social) Media Monitoring nimmt der WARROOM ein.

Als Einrichtung konzipiert, in der das Wissen verschiedener Kommunikations-experten und Datenanalysten als Teamleistung zur Anwendung kommt, nimmt er oft auch eine Doppelrolle wahr und fungiert als Kommunikationszentrale zu brisanten Themen und Fragestellungen.

Suche

In Bereitschaft

monitoring

Screenshot der ursprünglichen Listly-Liste von Tina Gallinaro aus dem Google Cache

Listen als Strategie, um Traffic zu generieren

Posted on 1. Februar 2014

Die ursprüngliche Liste „Seriöse Social Media Dienstleister und Agenturen“ von Tina Gallinaro ist mittlerweile von ihr selber gelöscht worden, wie sie mir gestern in einem gut halbstündigen, angenehmen und sehr kollegialen Telefonat erzählte. Ebenso sprach sie über die Gründe, die zur Löschung führten. Dazu später im Verlauf des Artikels mehr, denn eigentlich ging es ja von Anfang an nicht um die Personen auf oder die Person hinter der Liste.

Da aber gestern eine wahre Lawine an Kommentaren auf Facebook losgetreten wurde und es vielen der Diskutierenden nicht klar war, dass sich der socialmedia WARROOM mitnichten zu einer Kontrollinstanz darüber erheben wird, was im Social Web „gut“ oder „schlecht, „richtig“ oder „falsch“ ist, oder eine solche von dritter Hand einfordert, muss hier noch einmal deutlich gemacht werden, worum es geht: Die am Mittwoch/Donnerstag dieser Woche durchgeführte Befragung der ursprünglich über 60 Personen auf der genannten Liste ist Teil unserer Überlegungen, ob Listen (jeglicher Art) bewusst dazu eingesetzt werden und werden können, Aufmerksamkeit (Traffic) in einem erhöhten Maße auf sich zu ziehen oder nicht.

Unsere E-Mail-Anfrage an die Personen auf der Liste

"Du hast vom socialmedia WARROOM diese E-Mail bekommen, weil Dein Name auf der o.g. Liste von Tina Gallinaro zu finden war oder ist. Bitte nimm Dir ein paar Minuten Zeit und hilf bei der Recherche für einen Artikel über Listen im Social Web, Empfehlungen durch Dritte und inwiefern man Listen als Teil einer Strategie einsetzen kann oder sollte."

Gleich im zweiten Absatz der begleitenden E-Mail zur Befragung per Google Doc haben wir deutlich gemacht, dass es darum geht, „inwiefern man Listen als Teil einer Strategie einsetzen kann oder sollte“. Nirgendwo war dem Wortlaut zu entnehmen, dass sich die Befragung oder unsere Bemühungen gegen irgendjemand richten würden.

Weiter im Text:

"Grundsätzlich finden wir Listen toll, das gleich mal vorab. Und „Schluss mit Lügen und gefährlichem Halbwissen“ sowieso! Wenn allerdings keinerlei Kriterien zu existieren scheinen oder bekannt sind, was eine/n Berater/in denn zur Aufnahme auf diese Liste qualifiziert, dann schadet ein zweiter, skeptischer Blick auch den auf der Liste genannten Personen nicht."

Um die Dynamik, die sich um diese Liste scheinbar entsponnen hatte, besser verstehen zu können, haben wir die Befragten gebeten, auch Angaben zur Urheberin Tina Gallinaro und den übrigen gelisteten Personen zu machen. Die Liste hatte kurz vor der Löschung immerhin über 1.800 Abrufe (der verlinkte Screenshot aus dem Google Cache ist älter, wir konnten schließlich nicht wissen, dass die Liste die Nacht nicht überlebt).

Das Telefonat mit Tina Gallinaro

iPhone-Screenshot des Telefonats Tina Gallinaro <> Oliver Berger

iPhone-Screenshot des Telefonats Tina Gallinaro <> Oliver Berger

Frau Gallinaro selber hat im Telefonat als Grund für die Löschung angegeben, dass ihr die Liste selber „über den Kopf gewachsen und so nie geplant gewesen sei“. Die ursprüngliche Idee einer Empfehlung von Kollegen, mit denen man bereits gearbeitet hatte wurde nach ihren Angaben durch die Funktion von Listly ad absurdum geführt, dass sich jede/r selber auf der Liste eintragen und anschließend durch eine Art Voting „nach oben“ pushen lassen konnte. Hierdurch konnte der Eindruck entstehen, dass die weiter oben genannten Personen besondere Wertschätzung erfahren und von Frau Gallinaro eben ausdrücklich empfohlen würden. Sie hat aus diesem Grund (länger schon geplant, so erzählte sie) nun eine neue Seite ins Leben gerufen, auf der ausschließlich sie Kontrolle darüber hat, wer dort aufgeführt ist.

Unabhängig vom Inhalt ist interessant festzuhalten, dass wieder eine Liste zum Einsatz kommt, die kuratierte Inhalte aufweist und bei der davon ausgegangen werden darf, dass die gelisteten Personen ein Interesse an der Verbreitung haben.

Reaktionen der Befragten

Insgesamt haben gut ein Drittel der befragten Personen sich die Zeit genommen, uns zu antworten. Nicht alle haben den Fragebogen ausfüllen wollen, einige haben ihre Antworten per E-Mail geschickt oder erklärt, nicht teilnehmen zu wollen oder erwähnt zu werden. Dies werden wir selbstverständlich respektieren. Letztlich haben wir 15 Antworten über den Fragebogen und eine Antwort per E-Mail erhalten. Vier Personen wollten sich nicht äußern (20 Reaktionen aus einer Gruppe von 61 Befragten).

Keine der 15 Personen, die den Fragebogen ausfüllten, hat auf die Frage „(2 von 10) Kennst Du Tina Gallinaro persönlich?“ mit „Ja“ geantwortet, 33% kennen sie nicht persönlich, 67% kennen sie von Facebook oder XING. Zwei der Befragten haben die Liste über ihre eigenen Social-Media-Kanäle verbreitet, die übrigen 13 nicht.

Auf die Frage „(5 von 10) Was hältst Du generell davon, so eine Liste zu kuratieren und zu veröffentlichen?“ bei der auf einer Skala von 1 (finde ich schlecht) bis 10 (finde ich toll) abgestimmt werden konnte, kam es bei 16 Antworten zu einem Mittelwert von 6,3 von 10.

Ergebnis der Befragung zu Frage 5 von 10, "Was hältst Du generell davon, so eine Liste zu kuratieren und zu veröffentlichen?"

Ergebnis der Befragung zu Frage 5 von 10, „Was hältst Du generell davon, so eine Liste zu kuratieren und zu veröffentlichen?“

Alle Fragen in der Übersicht

  1. Wie heißt Du? (optionale Frage)
  2. Kennst Du Tina Gallinaro „persönlich“?
  3. Wie sieht es mit den anderen Personen auf der Liste aus? Wie viele davon sind Dir bekannt?
  4. Hast Du die Liste bzw. den Link zur Liste selber veröffentlicht? Wenn ja, wo?
  5. Was hältst Du generell davon, so eine Liste zu kuratieren und zu veröffentlichen?
  6. Was machst Du beruflich?
  7. Welche Social-Media-Kanäle und -Plattformen bespielst Du üblicherweise?
  8. Auf welchen Social-Media-Kanälen und -Plattformen bist Du bzw. Dein Unternehmen zu finden?
  9. Welche Stellenwert hat (Social) Media Monitoring für Dich als Teil einer Kommunikationsstrategie?
  10. Bist Du interessiert, in Zukunft von uns als Experte angesprochen zu werden und ggf. zu Deinen Themen mitzuarbeiten und Fachartikel zu publizieren (optionale Frage)?

Zwei der Antworten auf unsere Fragen

Neben der Frage nach dem Stellenwert von Listen als Mittel, um Traffic auf bestimmte Seiten zu steigern oder für eigene oder fremde Themen zu generieren waren insbesondere der berufliche Background der Befragten und ihre Einschätzung zum Thema (Social) Media Monitoring für uns interessant. Monitoring vor allem auch deshalb, weil es aus Sicht des socialmedia WARROOM ein essentieller Bestandteil jeder Kommunikationsstrategie zu sein hat und auch bei der Beobachtung von Listen und deren Verbreitung über diverse Social Media Plattformen und Dienste wertvolle Erkenntnisse liefert.

Bei der Frage, "was machst Du beruflich?" waren mehrere Antworten zulässig, denn oft hat man ja nicht nur _einen_ definierten Job.

Bei der Frage, „was machst Du beruflich?“ waren Mehrfachnennungen zulässig, denn oft hat man ja mehr als nur einen Job.

Welchen Stellenwert hat Social Media Monitoring als Teil einer Kommunikationsstrategie?

Welchen Stellenwert hat Social Media Monitoring als Teil einer Kommunikationsstrategie?

Unabhängig vom Beschäftigungsverhältnis messen alle Befragten dem Thema (Social) Media Monitoring einen hohen Stellenwert bei, der Mittelwert liegt hier bei 8,4 von 10.

Die Bedeutung von Listen

Eingangs hatten wir geschrieben „Grundsätzlich finden wir Listen toll, das gleich mal vorab.“ und auch die Befragten haben, soweit sie sich geäußert haben, eine eher positive Einstellung zu Listen (Mittelwert 6,3 von 10, siehe oben).

Damit können wir uns in guter Gesellschaft fühlen, denn auch in der klassischen PR sind Listen in Form von Rankings (und letztlich ging es auch bei der Liste von Tina Gallinaro um ein Ranking) ein probates Mittel der Generierung von Aufmerksamkeit. Entweder für den Initiator des Rankings – zum Beispiel, wenn eine Krankenkasse die drei häufigsten Gründe für Burnouts im Rahmen einer Studie identifiziert und auflistet – oder für den (möglichst) Erstplatzierten des Rankings – zum Beispiel bei Untersuchungen der Stiftung Warentest.

Das wohl bekannteste Beispiel für den Missbrauch von Listen aus der jüngsten Vergangenheit ist wohl der „Gelbe Engel“ des ADAC.

"Der Golf ist (angeblich) das Lieblingsauto der Deutschen. Aus mehr als 200 Modellen konnten die 19 Millionen Mitglieder des ADAC (theoretisch) auswählen. Auf Platz zwei der Lieblingsautos findet sich (laut Ranking, das ggf. auch hinsichtlich Reihenfolge manipuliert wurde) der Audi A3 wieder. "

Quelle: n-tv, Anmerkungen in Klammern vom socialmedia WARROOM.

Dieser gezielte Einsatz von Listen (bzw. genauer: Rankings) ist natürlich nicht auf klassische PR beschränkt, viele Online-Publisher nutzen Listen als Teil ihrer Strategie, um Traffic für sich und ihre Themen zu generieren:

Sicher kennte jede/r für sich eine ganze Reihe weiterer Listen. Wir würden uns darüber freuen, hier die besten eurer Listen in den Kommentaren aufgelistet zu bekommen! Dabei spielt es unserer Ansicht nach auch keine Rolle (das kam nämlich u.a. auch in der Korrespondenz mit den Befragten und in der Diskussion auf Facebook als Thema auf), ob die Liste/das Ranking von einem sog. etablierten Medium oder auf einem Blog veröffentlicht wird. Beide haben ihre Zielgruppe und bedienen diese (hoffentlich) bedarfsgerecht. Zu behaupten, nur etablierte Medien könnten sinnvolle Rankings veröffentlichen, halten wir für komplett falsch. Damit würde man nämlich die Position derer, die nicht in einem solchen Medium veröffentlichen (können), stark schwächen – dies dürfte kaum im Interesse der Blogosphäre liegen.

Fazit zum Einsatz von Listen als Strategie, um Traffic zu generieren

Reine Listen, bei denen die Kriterien für einzelne Punkte auf dieser Liste intransparent gehalten werden, dürften wenig Reichweite mit sich bringen. Rankings hingegen, die thematisch mit Interessengebieten der Zielgruppe verknüpft sind, vielleicht Mehrwert durch Information (im Vergleich zu reinem Entertainment wie „Sexiest Man Alive“ o.ä.) bieten und bestenfalls noch die Leserschaft dazu animieren, selbst in den Verbreitungsprozess einzugreifen (weil man ggf. selber auf dieser Liste aufgeführt ist), sind unserer Ansicht nach sehr wohl geeignet, als Teil einer Strategie den Traffic für eigene oder fremde Themen zu erhöhen. Insofern wünschen wir Frau Gallinaro mit ihrer weiter oben verlinkten Liste der „Social-Media-Dienstleister“ viel Erfolg!

Für die ganz neugierigen findet sich hier übrigens noch ein Abbild der ursprünglichen Liste im Google Cache. Soweit wir informiert sind, wird sich in der kommenden Woche auch ein bekannteres Magazin in seiner Online-Ausgabe diesem Thema widmen. Verlinken wir dann hier, sollte es dazu kommen.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern unserer Umfrage und machen uns nun Gedanken, welche Rankings (z.B. der besten Monitoring-Tools am deutschen Markt) für unsere Leser interessant sein könnten …

socialmedia WARROOM?

Posted on 28. Januar 2014

Was auf den ersten Blick eher martialisch anmutet, lässt sich bei näherer Betrachtung sofort verstehen: Schon immer haben Menschen große Mengen von Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen, diese zu bewerten versucht und als Grundlage für ihr weiteres Handeln genutzt.

Blieben wir allein im Ductus des Militärjargons, dann finden wir in den Feldherrenhügeln auf den Schlachtfeldern vergangener Tage bereits eine rudimentäre Form des War-Rooms. "Im übertragenen Sinne wird heute unter einem Feldherrenhügel eine Kommandozentrale oder der Ort verstanden, an dem wichtige Entscheidungen koordiniert und getroffen werden." (aus Feldherrenhügel bei Wikipedia)

Der Kalte Krieg brachte War-Rooms sowohl auf Seiten der USA als auch der UdSSR hervor; besondere Aufmerksamkeit wird hierbei dem Film „Dr. Strangelove“ von Stanley Kubrick aus dem Jahre 1964 zuteil, in dem der War-Room eine zentrale Rolle spielte. In diesem Artikel zum Film findet sich auch das Synonym „Situation Room“, welches bis heute gebräuchlich und dessen prominentester Vertreter wohl der „White House Situation Room“ des Präsidenten der USA ist.

Weitere synonym verwandte Begriffe neben War- und Situation Room sind Lagezentrum, Listening (Command) Center oder Listening Post. Insbesondere große Unternehmen (nachfolgend am Beispiel DELL) haben frühzeitig erkannt, dass ein WARROOM die nächste Stufe in der Evolution des Social Media Monitorings darstellt und sich entsprechend ein „Social Media Listening and Command Center“ bauen lassen.

In 2013 veröffentlichte Salesforce zum Thema ein eBook mit dem Titel „10 Examples of Social Media Command Centers“ und bietet dieses kostenfrei zum Download an (Lesenswert. Must read!).

Wir verstehen den WARROOM nun nicht als militärisches Konstrukt, sondern, wie es Robert Murray von Sapient Nitro im Rahmen der EPIC2011 Konferenz formuliert hat:

"A key tool in field research is a team-room that often doubles as a communication device. The [ ] War-Room artifact is a framework and model that we can all leverage [ ] to tell better stories and distill stronger insights."

Gerade in Zeiten von BIG DATA, definiert durch die drei V: Velocity, Volume und Variety, nimmt der socialmedia WARROOM eine Schlüsselstellung beim (Social) Media Monitoring ein.

Als Einrichtung konzipiert, in der das Wissen verschiedener Kommunikationsexperten und Datenanalysten als Teamleistung zur Anwendung kommt, nimmt er oft auch eine Doppelrolle wahr und fungiert als Kommunikationszentrale zu brisanten Themen und Fragestellungen.

Der socialmedia WARROOM ist also keine militärische Einheit, sondern hilft auch Ihnen, Übersicht in der Kommunikationsflut zu behalten, eine optimale Strategie zu entwickeln und die richtigen Maßnahmen unter Berücksichtigung aller Stakeholder umzusetzen. Denn: „Ohne Strategie ist alles Bemühen Nichts.“